Zwei Philosophien, ein Ziel — zwei große Ansätze stehen sich gegenüber: die intuitive Methode von Elizabeth Zimmermann und die klar strukturierte Technik der German Short Rows. Beide Methoden wollen das Gleiche: eine harmonische Formgebung ohne Löcher oder sichtbare Übergänge. Doch der Weg dorthin könnte kaum unterschiedlicher sein:
Zimmermann Short Rows sind wie Jazz im Stricken. Elizabeth Zimmermann ermutigt uns, einfach zu wenden, wenn es sich „richtig“ anfühlt. Keine komplizierten Wendeschritte, kein Drama – nur Gefühl und Beobachtung. Das Ergebnis hängt ganz von der Strickerin, dem Garn und der Spannung ab.
German Short Rows sind dagegen die Ingenieurskunst unter den verkürzten Reihen. Nach dem Wenden wird der Faden fest über die Nadel gezogen, sodass die abgehobene Masche eine „Doppelmasche“ bildet. Diese Doppelmasche schließt die Lücke – präzise, zuverlässig und nahezu unsichtbar.
Technik trifft Temperament
Zimmermann Short Rows funktionieren wunderbar, wenn du frei und kreativ arbeitest, zum Beispiel bei Rundpassen, Raglan-Schultern oder asymmetrischen Designs. Sie sind schnell und intuitiv, aber etwas launisch – zu locker gestrickt, kann schon mal ein Mini-Loch durchblitzen. German Short Rows sind dagegen perfekt für strukturierte Projekte, bei denen jede Masche sitzen soll: saubere Schultern, formschöne Ärmel, glatte Fersen. Der Nachteil? Sie verlangen ein bisschen mehr Mühe und Disziplin – typisch deutsch eben.
Kurz gesagt
Zimmermann Short Rows: Formgebung mit Gefühl. Wenden, stricken, beobachten.
German Short Rows: Präzision mit System. Faden ziehen, Doppelmasche bilden, weiterstricken.